REGEN DER LETZTEN JAHRESZEIT – Teil I
So muss es geschehen. Dass der Tag komme, an dem der Geist nicht mehr ein fernes Flüstern ist, das in steinernen Tempeln bewahrt wird, sondern ein lebendiger Strom, der in der Lage ist, Fleisch, Blut, Nerven und den Atem der Menschen zu durchdringen. Ein unsichtbares Feuer, das in den Menschen eintreten wird wie ein goldener Morgenlauf, der langsam alles durchdringt, und von innen her schmilzt, was kalt, unfruchtbar und vom Leben getrennt war. So ist es notwendig, dass das Licht wieder wahrgenommen wird. Auf der Haut wie Wärme, in der Brust wie Weite, im Geist wie eine plötzliche Klarheit nach Jahrhunderten des Nebels. Dass die Menschen wieder begreifen, dass jeder Gedanke eine Frequenz aussendet, jedes Wort das unsichtbare Gewebe der Wirklichkeit verändert, und jede an der Liebe ausgerichtete Seele zu einer Quelle wird, die den Raum um sich herum verwandeln kann. So ist es notwendig, dass erneuerte Männer und Frauen hervortreten, deren bloße Gegenwart das unsichtbare Feld um sie herum verändert. Wesen, in denen die Wahrheit so real geworden ist, dass sie den Puls der Räume verändert, Konflikte besänftigt, bedrückte Herzen aufrichtet, die Hoffnung in erloschenen Augen wieder entfacht. Und dann wird die Welt etwas sehen, das sie vergessen hatte: Dass der Geist keine Flucht vor der Materie ist, sondern ihre Verklärung (Transfiguration). Denn wenn das Licht wahrhaftig in einen Menschen eintritt, scheint sich selbst der Körper an seinen eigenen Ursprung zu erinnern. Die Augen leuchten anders. Die Stimme trägt Gewicht und Frieden zugleich. Die Gesten vermitteln Gegenwart. Und die Wirklichkeit selbst beginnt sich langsam um diese Frequenz herum neu auszurichten, wie Eisen, das von einem unsichtbaren Magneten angezogen wird. Das ist es, was kommen muss: eine neue Dichte des Lebens auf Erden. Eine Zeit, in der der Himmel im Inneren der Materie fließen wird wie flüssiges Gold in den Adern der Welt. Und was heute unmöglich erscheint, wird so natürlich werden wie das Aufgehen der Sonne. Dann werden die Menschen endlich begreifen, dass das Heilige nicht fern war. Es war in jedem Atemzug verborgen, in jeder Zelle, in jedem Fragment der Schöpfung, und wartete darauf, vom lebendigen Licht wieder entfacht zu werden. Und die Erde wird langsam wieder zu strahlen beginnen, nicht durch die Herrschaft der Kraft, sondern durch die lebendige Gegenwart der Liebe, die alles verklärt und die Welt zu ihrem glorreichen Ursprung zurückführt.
